Stedtfelder Bergbau

Auf dem Bergbau-Lehrpfad von Stedtfeld zum Rennsteig

Stedtfeld, heute ein Ortsteil der Stadt Eisenach, ist ein Ort, an dem die Erdgeschichte ihre Spuren hinterlassen hat. Bei der Auffaltung des Thüringer Waldes vererzten die Rücken der Kupferschieferschicht. Diese Vorkommen von Kupfer- und Kobalterzen wurden seit 1522 im Stedtfeder Gebiet abgebaut. Um 1800 wurde der Bergbau aus unterschiedlichen Gründen eingestellt. Spuren des Kupferbergbaus, die noch in den Wäldern zu finden waren, wurden 1994 wegen ihrer überregionalen Bedeutung als eingetragenes Flächendenkmal ausgewiesen. Der bergbauhistorische Lehrpfad gibt auf acht Stationen Auskunft über den mittelalterlichen Kupferbergbau in dieser Gegend.

Station 1: Stedtfeld – Unteres Schloss
Treffpunkt ist der Hof des Unteren Schlosses im Zentrum von Stedtfeld. Sehenswert sind dort die denkmalgeschützten Teile des alten Gutshofes. Das Torhaus von 1667, der Rokoko-Brunnen aus dem Jahre 1755 und das Schloss, mit dem im Aufgang befindlichen Wappen der Familie von Boyneburgk und den bemalten Tapeten im Ratssaal, sind Zeugnis dieser Zeit. Im Ratssaal und dessen Nebenräumen wurde ein Museum eingerichtet, hier bekommt man einen Einblick in die Erd- und Bergbaugeschichte dieser Region sowie in die Orts- und Kulturgeschichte des Dorfes.

Station 2: Gipsmühle – Kupferhütte
Der Weg führt nun durch das Hörseltal zur Gipsmühle. Dort am Waldrand war der Standort einer Kupferschmelzhütte. Eine Schlackenhalde, die sich von den Teichen bis zur Bahnlinie ausbreitet und teilweise bis zu drei Metern mächtig ist, bezeugt diesen Standort. Ein Hüttenteich sorgte für genügend Aufschlagwasser zum Betreiben der technischen Einrichtungen.

Station 3: Rangenwiese – Kunstgraben
An den Angelteichen vorbei geht es zum Ende der Rangenwiese. Rechter Hand an einer alten Linde ist ein Kunstgraben im ursprünglichen Zustand zu sehen. Er war Teil der bergmännischen Wasserhaltung im Stedtfelder Revier und wurde am Hang entlang geführt bis zur Rangenwiese. Dort endete er abrupt. Man sieht an Erdaufwerfungen, dass hier eine bergwerkliche Einrichtung zur Erzaufbereitung gewesen sein mag. Es ist anzunehmen, dass hier ein Pochwerk betrieben wurde.

Station 4: Ententeich – Pochteich
Am Hauptweg, 200 m weiter östlich, befindet sich im Bereich „Ententeich“ der rekonstruierte Pochteich. Hier war der Mittelpunkt der bergbaulichen Wasserhaltung. Damm und Überlauf des Teiches, sowie Ablaufgräben waren noch im ursprünglichen Zustand erhalten. Auch sind am Bach noch die rundlichen Grundflächen von Meilerstätten zu sehen. Am Hang führt wieder ein Kunstgraben entlang, der den Pochteich mit Wasser aus dem „Tiefen Loch“ speiste. Alle Relikte deuten darauf hin, dass sich hier der Hauptanteil der Erzaufbereitung befunden hat, wie Pochwerk, Planherde und Schlämmgräben.

Station 5: Zechenhaus – Der tiefe Stollen „Carl August“
In südlicher Richtung geht es den Berg hinauf. Am „Zechenhaus“ ist rechts am Weg die Halde und das verbrochene Mundloch des Stollen „Carl August“ zu sehen. Es wurde 1784 von J. C. W: Voigt, einem Mitarbeiter Goethes, befahren und war damals nach seinen Angaben 195 Lachter (390 m) unter die „Baue der Alten“ vorgetrieben und diente zur Entwässerung eines Kobaltrückens.

Station 6: Der Fürstenstollen
Das Mundloch des Fürstenstollens befindet sich 50 m weiter südlich am Weg. Der Stollen wurde für den Lehrpfad ein Stück weit geöffnet, um seine Funktion den Besuchern zu demonstrieren. Verzimmerung, Fahrbretter und Wasserhaltung wurden nach gebaut. Auch ein Handkarren mit Spurnagel soll die Arbeit des Bergmannes zeigen.

Station 7: Plateau am Erdschacht – Schachtförderung
Am Hang entlang schlängelt sich der Weg zu einem Plateau. Hier finden wir vier Schächte. Sie wurden im Abstand von 20 – 30 m abgeteuft, um die Bewetterung der Strecken zu ersparen. Zwischen den Schächten wurde in 5 –10 m Tiefe das Kupferschieferflötz abgebaut. Diese Strecken waren nur 60 cm hoch; die Häuer mußten im liegen arbeiten. Die Förderung erfolgte mit Handhaspel, Seil und Kübel.

Station 8: Erdschacht – Erzabbau
Den Erdschacht, auch Erzschacht genannt, finden wir 100 m weiter am Hang. Für Besucher wurde ein Zugang gebaut. Im Stollen können die Arbeiten und Techniken der Bergleute von vor 500 Jahren noch gut nachvollzogen werden. Da sind das Herausbauen von Erznestern mit Schlägel und Eisen, vom Firstenbergbau, bei dem die Erzgänge und Nester von der Stollensohle zum First hin abgebaut wurden, sind noch die Traversen für das Gerüst zu sehen.
Das Stollensystem insgesamt deutet auf Rückenbergbau hin.
Ein besonderes Objekt ist der Treppenschacht: hier ist der Stossenbergbau ersichtlich. Treppenförmig wurde das Erz von oben nach unten gewonnen und in Körben nach oben getragen. Es ist der einzig noch vorhandene Treppenschacht im weiten Umkreis und daher besonders schützenswert.

Station 9: Mühlkopf – Schutzhütte mit Wartburgblick
Sitzgruppe und Schutzhütte laden zum Verweilen ein. Mit dem Blick auf die Wartburg schließt der Lehrpfad hier ab. Über den Rennsteig zurück zur Rangenwiese wird daraus ein Rundwanderweg. In schöner Landschaft findet man den Weg nach Stedtfeld leicht zurück.

Geschichte
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Wiederaufnahme der Kupferbergwerke bei der Gelegenheit wurde der erste Berggerichtstag in Stedtfeld gehalten. ( Nach Dr. W. Buchner )

1476
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Erste Nachrichten - Streit ums Bergregal zwischen dem Eisenacher Herzog und den Boyneburgks

1522
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Die Boyneburgks geben das Stedtfelder Bergwerk Johann Schweykhard aus Eisenach zu Lehen. Bergmeister Andreas Holzschucher und ein Geschworener aus Eckhardshausen finden eine Kluft Schiefer, die reich an Silber ist.

1551
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Der Steiger Andres Klinger gründet die Gewerkschaft: „Was Gott beschert bleibt unverwehrt”. Er baut ein Bergwerk am „Schwarzen Born”.

1575
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Die Gewerkschaft gerät in finanzielle Schwierigkeiten. Ein Gewerkentag wird einberufen. Ein 5-Punkte Programm bringt keine Besserung.

1576
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Auf einem neuen Gewerkentag wird die Stedtfelder Bergordnung beschlossen. Es ist anzunehmen, daß die Gewerkschaft gescheitert ist.

1577
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Das Hofgericht zu Jena entscheidet im Rechtsstreit mit dem Herzog: Die Bergrechte stehen den Boyneburgks zu.

1581
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Boyneburgk belehnt Hans Embhard und Christoph Dietherr, zwei Kaufleute aus Nürnberg mit dem Stedtfelder Bergwerk.

1592
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Nach anfänglichen Erfolgen kam es zum Streit zwischen der Gewerkschaft und Boyneburgk mit Handfesten Beschuldigungen und Belästigungen.

1597
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Die beiden Kaufleute flüchten nach Fulda. Sie bekommen kein Recht. Das Bergwerk fällt wieder ins Freie.

1599
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Bis dahin ruht wahrscheinlich der Bergbau durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Ein Gothaer Berginspektor erstellt ein Gutachten.

1682
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Probeschmelzen Stedtfelder Erze im Auftrag des Herzoges in der farnrodaer Hütte. Boyneburgk versucht zu verhindern und erhält eine hohe Strafe.

1686
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Amtmann Merz aus Nordhausen wird mit dem Stedtfelder Bergwerk belehnt. Er macht hohe Schulden und muß fliehen. Sein Schwiegervater wird in Beugehaft genommen.

1705
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Die Berggerichtsordnung tritt in Kraft. Die Bergleute unterliegen nur noch bei schweren Zivielverbrechen den örtlichen Gerichten.

1707
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Der Kunststeiger Georg Müller nimmt einige alte Schächte in Betrieb. Er erhält den Mutschein vom Herzog, trat aber dann seine Kuxen an Johann Friedrich von Beust ab.

1738
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Beust wurde mit dem ganzen Gebiet vom Herzog belehnt. Es wurde ein Vertra Pflichten der Gewerkschaft abgeschlossen. Boyneburgk traf bei einer Schnepfenjagd vier Berbleute an, die keinen schriftlichen Befehl hatten. Es wurde ein Prozeß angestrengt.

1739
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Vergleich beim Reichskammergericht in Wetzlar: Die Boyneburgks werden am Ertrag des Stedtfelder Bergwerks beteiligt. Ein Boyneburgk soll Berghauptmann werden.

1740
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Der Eisenacher Münzmeister Bähr wird mit den Stedtfelder Lehen „Segen Gottes”, „Charlotte” und Fürstenstollen betraut.

1741
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Der Wünschelrutengänger Dietrich aus dem Erzgebirge befuhr mit dem Bergrat Tromler die Stedtfelder Gruben.

1743
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Bergrat Tromler übernimmt die Direktion des Stedtfelder Bergwerks. Die finanziellen Schwierigkeiten aber wachsen.

1745
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Johann Friedrich von Beust wird wieder Direktor des Stedtfelder Bergwerks. Die Boyneburgks bekommen einen Teil ihres entgangenen Gewinnes.

1752
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Johann Wilhelm Christoph von Boyneburgk wird in einer feierlichen Verpflichtung Berghauptmann von Stedtfeld.

1756
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Unter Leitung des Eisenacher Mineralogen Appelius baut eine Gewerkschaft den tiefen Stollen „Carl August”.

1774
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Der Weimarer Bergrat Johann Carl Wilhelm Voigt befährt im Auftrag Goethes das Stedtfelder Bergwerk. Seine Erkenntnisse werden in einem Brief an Goethe veröffentlicht. Am 12. Juni besucht Goethe selbst das Stedtfelder Bergwerk. Dies ist eine Annahme des Ortschronisten und stützt sich auf Briefe an Frau von Stein.

1784
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Der Bergbau im Stedtfelder Revier mußte aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden.

1800
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Auf Betreiben der Gemeinde Stedtfeld wird das Bergbaugebiet als technisches Flächendenkmal ausgewiesen.

1993
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Der Ortschronist Lothar Kappherr plant mit Hilfe interessierter Bürger einen Museumslehrpfad durch einen Teil des Bergbaugebiets.

1994
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Am 29. November übergibt der Thüringer Minister für Wissenschaft und Kultur Dr. Gerd Schuchardt den Bergbaulehrpfad der Öffentlichkeit.

1997
Illustration
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